Zufall und Zeichnung


»Ohne das Zufällige gibt es nichts Neues« Gregory Bateson


Zufallen, zuschnappen, in der Falle sein, stolpern, neben der Spur sein, aus der Ordnung geraten, drunter und drüber.
Der Zufall schlägt der Absicht ein Schnippchen, wirft den Willen aus der Bahn, durchkreuzt Erwartungen, wendet den Moment, drunter wird drüber.
Manchmal scheint der Zufall offenkundig, oft fällt er unauffällig und wirft aus seinem Versteck heraus ein anderes Licht auf die Ereignisse. Man muss aufmerksam sein, um ihn zu erkennen, er stellt sich ein oder man fordert ihn heraus, räumt ihm ein Feld frei, in das er fallen kann. Das Feld, ein Blatt Papier, eine Zeichnung, der Zufall legt eine andere darüber, vielleicht noch eine dritte oder vierte. So werden Linien aus ihren vertrauten Zusammenhängen entlassen, gehen unerwartete Verbindungen ein, lösen sie wieder auf und öffnen Räume für noch nicht Erkanntes, fast Gedachtes, kaum Erahntes, nicht Gewusstes, geben Raum für das, was im Bewusstsein angelegt, aber nicht auszudenken ist.
Ein Flackern im Kopf, das Denken: es verknüpft Linien zu neuen Beziehungen, ordnet das Chaos auf dem Papier und erschließt den sich überlagernden Ereignissen ein noch nicht bekanntes Gebiet, das der Zufall auf überraschende Weise neu besiedelt hat. So finden Möglichkeiten eine Form. Möglichkeit ist Wirklichkeit. Zufall ist Notwendigkeit. Alles existiert gleichzeitig, übereinander, nebeneinander. Der Zufall tanzt dazwischen, schüttelt das Vorhandene auf, verknüpft es zu neuen Figuren und stiftet die Wahrnehmung als auch die Linie zu ungewohnten Erkundungsmöglichkeiten an.
"Kein System (ob Computer oder Organismus) kann etwas Neues produzieren, solange das System nicht eine Zufallsquelle enthält ... Ohne das Zufällige gibt es nichts Neues.« Gregory Bateson

N.M.