Die drei Realitäten

Beim Zeichnen hat man es stets mit (mindestens) drei Realitäten zu tun: mit der da draußen in der Welt, mit der im Kopf und mit der auf dem Papier. Zeichnen ist also immer ein Übersetzungsprozess, die Zeichnung Abstraktion von Wirklichkeit, der Zeichner ein Getriebe.
Unter „gut zeichnen können“ versteht man im Allgemeinen (immer noch) die größtmögliche Übereinstimmung dieser drei Realitäten. In der Art der Übereinstimmung oder ihrer Differenz, der Harmonie oder im Knirschen zwischen diesen Realitäten, spiegelt sich das Interesse bzw. das Weltverhältnis des Zeichnners. Was, wie auch immer mit welcher Absicht gezeichnet wird, Zeichnen ist immer Interpretation (mehr oder weniger).


N.M.