Vom Stolpern beim Zeichnen
Stolpern, einen Moment lang aus dem Gleichgewicht kommen, eine kurze Erschütterung im Gleichtakt des Gehens. Die Aufmerksamkeit ist nicht da wo die Füße sind, der Rhythmus wird unterbrochen und damit auch das Gedankenkarussell. Das Denken wird kurz aufgeschüttelt, springt in eine neue Bahn, oder versucht die unterbrochene Denkbewegung wiederaufzunehmen. Meistens gelingt das nicht ganz: Mit den Füßen wieder im Gleichgwicht, laufen im Kopf zwei Spuren dicht nebeneinander her, erzeugen Reibungen und Unschärfen. So entstehen Ideen, Ideen sind die Eier der Erkenntnisse.
Wenn das Sehen über die Alltäglichkeiten stolpert, kann manches davon mitgenommen werden: Ansichts- oder Karteikarten, Schachteln, Schnipsel, Pappen, Worte. Sie liegen dann in realen und mentalen Räumen herum, brauchen Zeit, Aufmerksamkeit, Nichtbeachtung, damit sich zeigen kann was sie noch sind. Oft muss man nur wenig tun, hinzufügen oder wegnehmen, um sie mit ihren spezifischen Eigenheiten neu und anders sehen zu können.
Stolpersteine sind unscheinbar. Wären sie es nicht, würde man sie umgehen. Umwege eröffnen neue Ausblicke, nur in der Pfütze haben wir den Himmel auf Erden. Stolpern irritiert die Gewohnheit, man kommt aus dem Tritt und landet auf dem Papier, ungewohnt und jenseits des ausgetretenen Pfads.
N.M.